{"id":299,"date":"2020-03-30T21:06:01","date_gmt":"2020-03-30T19:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/?p=299"},"modified":"2020-07-09T15:49:32","modified_gmt":"2020-07-09T13:49:32","slug":"6-vernetzungstreffen-fuer-eine-offensive-gewerkschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/index.php\/2020\/03\/30\/6-vernetzungstreffen-fuer-eine-offensive-gewerkschaftspolitik\/","title":{"rendered":"6. Vernetzungstreffen f\u00fcr eine offensive Gewerkschaftspolitik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum sechsten\nMal trafen wir uns am 14. und 15. Februar 2020 in Kassel, um \u00fcber die\nBedingungen und M\u00f6glichkeiten einer offensiven Gewerkschaftspolitik zu beraten.\nGast und Hauptredner war am Freitagabend unser Kollege Hans-J\u00fcrgen Urban, der\neinen R\u00fcckblick auf den Gewerkschaftstag der IG Metall gab und\nSchlussfolgerungen f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Aufgaben daraus entwickelte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wir befinden uns in einer wirtschaftlichen Situation, wo die Verteilungsspielr\u00e4ume geringer werden, daher ist mit h\u00e4rterer Gegenwehr des Kapitals auf unsere Forderungen zu rechnen. <\/li><li>Gleichzeitig ist zu bef\u00fcrchten, dass die Kosten der Transformation auf die Besch\u00e4ftigten umgew\u00e4lzt werden sollen und die Zielsetzung dieser Ver\u00e4nderungen allein der Rationalisierung und Profitmaximierung dienen sollen.<\/li><li>Auf politischem Gebiet w\u00e4chst die Gefahr durch rechtsradikale bis faschistische Str\u00f6mungen. Es ist nicht v\u00f6llig sicher, dass das Kapital weiterhin und dauerhaft auf parlamentarisch-demokratische Strukturen setzt, um seine Interessen durchzusetzen.<\/li><li>Wenn wir dem wirksam entgegentreten wollen, dann werden B\u00fcndnisse mit den verschiedensten gesellschaftlichen Parteien und Gruppen, wie z.B. der Umweltbewegung umso wichtiger.<\/li><li>Klar muss bei allen Aktivit\u00e4ten der IG Metall bleiben, dass unsere St\u00e4rke aus den Betrieben, von unseren Mitgliedern, kommt. Der Gewerkschaftstag hat auch in diesem Sinn viele gute und wegweisende Beschl\u00fcsse gefasst.<\/li><li>So ist auch in der anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie klare Kante zu zeigen. Wir machen keine Kungelei mit Gesamtmetall und wir zeigen kein materielles Entgegenkommen f\u00fcr unverbindliche Worte. Wenn auch die Arbeitgeberverb\u00e4nde      uns auf diese Leimspur f\u00fchren wollen, wir machen klar, auf welcher Seite wir stehen. Wir geh\u00f6ren nicht zum \u201eEstablishment\u201c.<\/li><li>Um deutlich zu machen, dass wir in der Transformation andere Ziele als autorit\u00e4re Gesellschaftsstrukturen und Profitmaximierung verfolgen, setzen wir auf das Konzept einer Wirtschaftsdemokratie in einer solidarischen Gesellschaft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Anschluss an\nHans-J\u00fcrgens Ausf\u00fchrungen schilderte eine Kollegin, die erstmalig an einem\nGewerkschaftstag teilnahm, ihre Eindr\u00fccke. Daraus einige Ausschnitte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Abl\u00e4ufe und Regularien (z.B. die Rolle der Antragsberatungskommission bei den Abstimmungen) waren      manchmal schwer durchschaubar und verwirrend<\/li><li>Bedauerlich war, dass politischen Debatten unter den Delegierten nicht mehr Raum gegeben werden konnte. Es w\u00e4re zu \u00fcberlegen, durch Streichung welcher Programmpunkte das geschehen kann.<\/li><li>Die Vorstandswahlen fanden vor den zukunftsgerichteten Debatten statt. W\u00e4re hier nicht eine \u00c4nderung der Reihenfolge sinnvoll?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kollege aus unserem Vorbereitungskreis erinnerte an die Ziele, die wir vor dem Gewerkschaftstag formuliert hatten. Die Delegierten h\u00e4tten &#8211; beispielsweise mit den Beschl\u00fcssen zu Betriebsrente, tarifdispositiven Regelungen aber auch Wirtschaftsdemokratie und Leistungspolitik &#8211; deutliche Signale f\u00fcr eine offensive Gewerkschaftspolitik&nbsp; gesetzt, so seine Einsch\u00e4tzung. (Siehe dazu das Auswertungspapier der Vorbereitungsgruppe.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Samstagmorgen\nwar zwei Arbeitsgruppen gewidmet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Bedingungsgebundene Gewerkschaftsarbeit<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anhand eines Beispiels wurde dargestellt, wie es gelingen kann, einen zun\u00e4chst schlecht organisierten Betrieb in die Tarifbindung zu f\u00fchren. (<a href=\"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bedingungsgebundene-Gewerkschaftsarbeit.pdf\">Siehe dazu die Pr\u00e4sentation<\/a>.) In der Diskussion wurden die verschiedenen M\u00f6glichkeiten der Beteiligung von Besch\u00e4ftigten, der Selbstorganisation, des erheblichen Arbeitsaufwands, der langfristigen Anlage solcher Projekte, der notwendigen Akzeptanz daf\u00fcr in der \u201ebetroffenen\u201c Gesch\u00e4ftsstelle, der Voraussetzungen und Erfordernisse auch au\u00dferbetrieblicher Unterst\u00fctzung und viele weitere praktische und konkrete Fragen lebhaft diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Wirtschaftsdemokratie konkret<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Beispiel der Auseinandersetzung um die Zukunft der Arbeitspl\u00e4tze und des Standortes der PFW (Pf\u00e4lzische Flugzeug Werke) zeigte der ehem. Betriebsratsvorsitzende Jan Heinrich auf, wie es m\u00f6glich wurde, einen Arbeitskampf bis zur Betriebsbesetzung und dar\u00fcber hinaus bis zu dem Punkt zu f\u00fchren, wo die Belegschaft den Betrieb in Form einer Aktiengesellschaft \u00fcbernahm. (<a href=\"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bsp-PFW.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Siehe dazu die Pr\u00e4sentation<\/a>, Link zum Film) In der Diskussion mit wurden grundlegende \u2013 aber auch sehr praktische \u2013 Fragestellungen behandelt, die um Notwendigkeiten und Voraussetzungen zum F\u00fchren einer harten Auseinandersetzung kreisten. Klar wurde: \u201eEinsame Inseln\u201c der Wirtschaftsdemokratie sind im Kapitalismus&nbsp; nicht dauerhaft haltbar, aber die \u201eGrenz\u00fcberschreitungen\u201c w\u00e4hrend des Arbeitskampfes sind notwendige Schritte auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der es nicht nur um Profitmaximierung geht. Diese Erfahrungen sollten angesichts der aktuell drohenden Auseinandersetzungen um Betriebsschlie\u00dfungen in Bezug auf die konkrete Gewerkschaftspraxis genauer ausgewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"806\" src=\"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-1024x806.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-303\" srcset=\"https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-1024x806.jpg 1024w, https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-300x236.jpg 300w, https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-768x605.jpg 768w, https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-1536x1210.jpg 1536w, https:\/\/offensive-gewerkschaftspolitik.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Wirtschaftsdemokratie_konkret-2048x1613.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab Samstagmittag\nwar das Thema die aktuelle <strong>Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie<\/strong>.\nZwei Kollegen aus verschiedenen Bezirken schilderten ihre Eindr\u00fccke:\nBesch\u00e4ftigungssicherung ist in der Mehrzahl der Betriebe ein wichtiges Thema.\nWir m\u00fcssen darauf achten, dass in der \u00d6ffentlichkeit nicht der Eindruck\nentsteht, die IG Metall wolle auf Entgelterh\u00f6hungen verzichten. Schon gar nicht\nf\u00fcr unverbindliche Zusagen der Arbeitgeber. Das erfordert harte Eingriffe in\ndie Verf\u00fcgungsmacht des Kapitals. Bez\u00fcglich der Entgelte wollen wir einen\nTarifvertrag mit kurzer Laufzeit. Die Arbeitgeberverb\u00e4nde und Gesamtmetall\n\u00e4u\u00dferten sich bis zum Zeitpunkt unserer Tagung unbestimmt und unterschiedlich\nzum Vorschlag der IG Metall auf ein Moratorium. In der anschlie\u00dfenden Debatte\nwurden die Chancen und Risiken unseres Vorgehens in dieser besonderen\nTarifrunde besprochen. Gerade angesichts der Tatsache, dass der Vorstand das\nMoratorium f\u00fcr viele recht \u00fcberraschend der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt hat,\nsind weitere Diskussionen im Vorfeld und in der Tarifrunde eine wichtige\nAufgabe von OGP. Und: nicht alle \u201emodernen Moderationsformen\u201c in den Tarifkommissionen\ngew\u00e4hrleisten und erweitern wirklich die Beteiligung der KollegInnen. Problematisch\nist zum Beispiel, wenn die Generaldebatte in der Tarifkommission durch\n\u201eMurmelgruppen\u201c abgel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das n\u00e4chste Vernetzungstreffen f\u00fcr eine offensive Gewerkschaftspolitik findet voraussichtlich am 25.\/26. September 2020 in Kassel statt. Ideen f\u00fcr Themen und ReferentInnen, Kritik und Angebote zur Mitarbeit sind sehr willkommen. Bitte per Email an: <a href=\"mailto:info@offensive-gewerkschaftspolitik.de\">info@offensive-gewerkschaftspolitik.de<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum sechsten Mal trafen wir uns am 14. und 15. Februar 2020 in Kassel, um \u00fcber die Bedingungen und M\u00f6glichkeiten einer offensiven Gewerkschaftspolitik zu beraten. 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